
»Der Schnitter« als Live-Hörspiel
Das Live-Hörspiel »Der Schnitter« wurde auf der TiL-Studiobühne aufgeführt. Die Zuschauer konnten echte Studioatmosphäre erleben.
Ein bisschen hatte es den Reiz vom Naschen verbotener Früchte, als nun auf der TiL-Studiobühne erstmals »Der Schnitter« als Live-Hörspiel aufgeführt wurde. Wie werden die Geräusche erzeugt? Welche Personen sprechen die einzelnen Figuren? Was passiert bei einer Hörspielaufnahme? All dies bleibt beim herkömmlichen Abspielen eines Hörspiels im Verborgenen. Nun konnte das Publikum aber nicht nur Zuhörer, sondern auch Zuschauer sein und unmittelbar miterleben, wie die von Schauspieler Milan Pešl und Hörbuchautorin Claudia Weber erdachte Kriminalgeschichte aufgenommen wurde. Pešl, der auch an der elektrischen Gitarre für die Hinter- und Überleitungsmusik sorgte, Kyra Lippler und Dominik Breuer agierten als Sprecher, Christian Fries wirkte am Klavier mit und Suse Pfister zauberte im Hintergrund allerlei Geräusche hervor. Echte Studioatmosphäre kam auf, die das knapp einstündige akustische Experiment zum echten »doppelsinnlichen« Erlebnis machte.
Pešl und Weber interessieren sich in ihrer langjährigen Hörspiel-Zusammenarbeit immer wieder für Mystisches und Übernatürliches. Und auch der »Schnitter« ist kein reguläres Kriminalstück, sondern auch eine Gruselgeschichte voller übernatürlicher und fantastischer Elemente. Ausgangspunkt ist eine wahre Begebenheit: Auf einem Berliner Friedhof wird die Fotografin Katharina Stein, die an einem Fotozyklus zum Thema Tod arbeitet, erstochen aufgefunden. Vom Mörder gibt es keine Spur. Dann meldet sich der junge Max Grimm bei der Polizei und berichtet, die Frau habe auf Wunsch seines verstorbenen Lehrers drei Nächte an dessen Grab Wache gehalten, damit der Sensenmann nicht seine Seele holen möge. Dass der »Schnitter« aber am Ende dann Katharina Stein umgebracht haben soll, das können die Polizisten nur schwer glauben, und Max wird verurteilt. Die Zuhörer ahnen aber, dass der junge Mann in Wahrheit nicht Täter, sondern nur Zeuge war. Karola Schepp, 14.02.2011, Gießener Allgemeine Zeitung